Präanalytik

Der gesamte Untersuchungsprozess für Laboruntersuchungen kann in einzelne Abschnitte eingeteilt werden. Dabei hängt die Qualität eines Laborergebnisses in besonderem Maße von der Präanalytik ab. Hierunter werden alle Schritte von der Vorbereitung des Patienten zur Probenentnahme über die Probennahme und den Transport der Probe ins Labor bis zur Vorbereitung der Probe für die Analyse verstanden.

Hier erhalten Sie nützliche Hinweise und wichtige Informationen zu diesem Themengebiet. Einzelheiten zu einem bestimmten Untersuchungsparameter haben wir in dem Leistungsverzeichnis zusammengestellt.

Die für die Probenentnahme und den Probentransport notwendigen Materialien wie Blutentnahmeröhrchen mit ggf. verschiedenen Zusätzen (siehe Tabelle), Abstrichmaterialien, sterile Probengefäße sowie die zugehörigen Anforderungsscheine und die Transportmaterialien werden vom Labor zur Verfügung gestellt.

Farbcodierungen für verschiedene Probenentnahmesysteme (Blut)

 
Probenmaterial Vacutainer®/ Vacuette®
(internationaler Farbcode)
Sarstedt Monovette® /
Kabevette®
Serum rot (braun) weiß
Serum mit Trennhilfe

goldgelb
(braun/schwarz)

braun
EDTA-Blut violett rot
Citrat-Blut (1+9, Gerinnung) hellblau grün
Heparin-Blut (Lithium) orange orange
Fluorid (NaF) grau gelb
Fluorid (NaF+Citrat), Schwangere grau
(Glycemia/Terumo®)
grau
(GlucoEXACT®)
Homocystein HCY/Z - hellgrau

 

Viele Laboruntersuchungen zeigen im Tagesverlauf typische Schwankungen. Wir haben für Sie hier eine Auswahl zusammengestellt

Maximum Parameter Abweichung (%)
morgens ACTH + 200
  Renin + 140
  Noradrenalin + 120
  Prolaktin + 100
  Aldosteron + 80
  Cortisol + 50
  Hämoglobin + 20
  Leukozyten + 20
  Bilirubin + 20
mittags Eisen + 100
  Eosinophile + 30
  Kalium + 15
abends STH + 400
  Kreatinin + 100
  Myoglobin + 70
  Harnstoff + 50
  TSH + 50

 

Für eine Reihe von Laboruntersuchungen ist die Einhaltung spezieller Transportbedingungen für eine zuverlässige Untersuchung notwendig. Zur besseren Orientierung haben wir Ihnen eine wichtige Auswahl zusammengestellt. Bei Rückfragen stehen Ihnen gern unsere Ansprechpartner zur Verfügung. Einzelheiten finden Sie auch zur jeweiligen Untersuchung im Leistungsverzeichnis.

Tiefgefroren (ca. -20°C) einzusenden:

Untersuchungsparameter Probenmaterial
ACTH EDTA-Plasma
Adrenalin EDTA-Plasma / Urin
Aldosteron Serum, Urin
Alpha 2-Antiplasmin Citrat-Plasma
Ammoniak EDTA-Plasma
APC-Resistenz Citrat-Plasma
Biotin (Vitamin H) Serum
C1-Esterase-Inhibitor-Aktivität Citrat-Plasma
Calcitonin EDTA-Plasma /Serum
CH-100 Serum
Gastrin Serum
Gerinnungsfaktoren Citrat-Plasma
Glucagon EDTA-Trasylolplasma
Histamin Urin, Heparinblut, EDTA-Plasma
5-HIES Urin
Homocystein Spezialröhrchen
Homovanillinsäure Urin
Interleukine EDTA-Plasma / Serum
sIL-2-R (lösl. IL-2-Rezeptor) Serum
Insulin Serum
Katecholamine Plasma / Urin
LMW-Heparin (Anti-Xa) Citrat-Plasma
Lupusantikoaguans Citrat-Plasma
Metanephrine Plasma / Urin
Osteocalcin Serum
Pankreatisches Polypeptid Serum
Parathormon Serum
Protein C-Aktivität Citrat-Plasma
Protein S-Aktivität Citrat-Plasma
PSA (freies) Serum
Renin direkt EDTA-Plasma
Serotonin Plasma / Serum / Urin
Somatomedin C (IGF I) Serum
Vanillinmandelsäure Sammelurin
VIP EDTA-Trasylolplasma

Lichtgeschützt einzusenden:

Untersuchungsparameter Probenmaterial
Beta-Carotin Serum
Bilirubin Serum
Neopterin Serum
Porphyrine Urin, EDTA-Blut
Pyridinoline Urin
Vitamine A, B (alle), E, K Serum, EDTA-Plasma/-Blut

Angesäuerter Sammelurin einzusenden:

Untersuchungsparameter Probenmaterial
Calcium Sammelurin
Magnesium Sammelurin
anorganisches Phosphat Sammelurin
Oxalat Sammelurin
Vanillinmandelsäure Sammelurin
Katecholamine Sammelurin
5-HIES Sammelurin
Metanephrine Sammelurin
N-Methylhistamin Sammelurin

 

Nach der Probenentnahme wird das gewonnene Untersuchungsmaterial für den Transport ins Labor vorbereitet und gegebenenfalls bis dahin gelagert. Für die Zwischenlagerung bis zum Transport ist auf das Einhalten geeigneter Bedingungen zu achten. Bei Anforderungen von Laboruntersuchungen mit kritischen Transportbedingungen sollte das Untersuchungsmaterial direkt nach der Entnahme entsprechend gelagert werden:

Probenlagerung für die Routineuntersuchungen (außer Mikrobiologie)

Probenmaterial Empfohlene Lagerungsbedingungen
Serum
alle Untersuchungen
Kühlschrank (+2°C - +8°C)
EDTA-Blut
Blutbild, BSG, HbA1c
Lymphozytendifferenzierung, HLA-Typisierung
Raumtemperatur
EDTA-Blut
PCR/Molekulargenetik
Kühlschrank (+2°C - +8°C)
Citrat-Blut/ -Plasma
Gerinnungsuntersuchungen
Raumtemperatur bis max. 6 Stunden
Plasma ggf. einfrieren (< -18°C)
Lithium-Heparin-Vollblut
Chromosomenanalyse/Karyogramm
Raumtemperatur
Liquor
Immunologische Untersuchungen
Kühlschrank (+2°C - +8°C)
Urin nativ
Medikamente, Drogen, Proteinuriediagnostik
Kühlschrank (+2°C - +8°C)
Stuhl
Calprotectin, Blut, mikrobiologische Antigene
Kühlschrank (+2°C - +8°C)

Bei Abholung der Proben durch den Boten- und Kurierdienst des Labors erfolgt der Transport nach den jeweils vorgegebenen Bedingungen unter Beachtung aller gesetzlichen Vorschriften. Wenn das Untersuchungsmaterial auf einem anderen Weg (z.B. Postversand) ins Labor gelangen soll, sind die hierfür geltenden Regelungen zu beachten. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an unsere Ansprechpartner.

Blutentnahme unter Standardbedingungen

Jede Blutentnahme bedingt eine Verletzung von Blutgefäßen (Arterien, Venen, Kapillaren). Es darf nur einwandfreies und steriles Material eingesetzt werden. Für die Blutentnahme stehen entsprechende Einmalartikel zur Verfügung. Für die Punktion sollten nicht zu feinlumige Kanülen verwendet werden. Die venöse Blutentnahme sollte an geeigneter Stelle im Bereich der Ellenbeuge, des Unterarmes oder des Handrückens erfolgen. Die bestehenden Einflussfaktoren sind zu berücksichtigen.

Optimale Vorgehensweise

  • Standardblutentnahme möglichst morgens zwischen 08.00 Uhr und 09.00 Uhr nach einer Nüchternperiode von ca. 12 Stunden.
  • Umgebungstemperatur ca. +18°C bis +30°C einhalten, der Patient sollte mindestens 10 Minuten sitzen oder liegen
  • Möglichst keine Entnahme aus einem bereits liegenden Verweilkatheter. Wenn keine andere Möglichkeit besteht, sollte etwa das 10fache des Totvolumens des Katheters vorab entnommen werden.
  • Staubinde etwa eine Handbreit herzwärts der Punktionsstelle anlegen, Staudruck zwischen 50 und 100 mm Hg (Puls bleibt fühlbar), Stauzeit ca. 1 Minute, KEIN Faustschluss
  • Auswahl der Punktionsstelle und 30 sec. Hautdesinfektion mit zugelassenen Substanzen
  • Punktion in Verlaufsrichtung der ausgewählten Vene unter leichter Spannung der Haut entgegen der Stichrichtung (Schliffrichtung der Kanüle nach oben zeigend)
  • nach erfolgreicher Punktion Stauung lösen und Blutentnahmen nach folgender Reihenfolge:
    1. Blutkulturen (Einwirkzeit des Desinfektionsmittels mind. 1 min.)
    2. Nativblut (Serum)
    3. Citratblut (Gerinnungsuntersuchungen)
    4. EDTA- / Heparinblut
    5. Fluoridblut
  • nach erfolgloser Punktion Stauung sofort lösen, erneuter Versuch möglichst am anderen Arm oder notfalls handwärts der Punktionsstelle
  • Punktionsstelle nach Entfernen der Kanüle ausreichend lange (ca. 5 Minuten) mit einem Tupfer unter ausreichendem Druck verschließen
  • alle Blutröhrchen mit Zusatz unmittelbar nach der Entnahme mehrmals (ca. 8x) überkopf mischen (nicht schütteln)

Einflussfaktoren und Störfaktoren

Der Begriff Einflussgröße bezieht sich auf den Patienten. Einflussgrößen verursachen Veränderungen in vivo und sind unabhängig vom Analyseverfahren. Viele sind nicht beeinflussbar. Hierzu gehören Geschlecht, Rasse, Lebensalter, Gravidität, Meereshöhe und circadiane oder saisonale Schwankungen. Die Kenntnis dieser Faktoren ist für eine gute Labordiagnostik mit Angabe der richtigen Referenzwerte wichtig. Beeinflussbar durch den Arzt (mit unterschiedlichem Erfolg) sind Einflüsse wie psychischer Stress, körperliche Belastung, Körperlage, Rauchen und Drogen.


Störfaktoren führen in vitro nach Entnahme des Untersuchungsmaterials zu einem Messergebnis, das nicht der in vivo-Konzentration des Analyten entspricht. Störfaktoren sind meist vermeidbar. Sehr häufig wird die falsche Probenart gewählt (z. B. Plasma statt Serum). Oder es stören Antikoagulanzien, Verunreinigungen, Infusionen, Hämolyse und Lipämie die Analytik. Bei Aufbewahrung und Transport sollten auch stets Gerinnungsvorgänge, Temperatureinflüsse, Glykolyse und die Haltbarkeit der Analyte im Material beachtet werden.

 

Hier sind eine Reihe bekannter Einflussfaktoren auf Ergebnisse von Blutentnahmen zusammengestellt. Sie sollten vor der Blutentnahme beachtet werden.

Einflussfaktor Einfluss
Rauchen Anstieg der Leukozyten, einiger Enzymwerte und einiger Tumormarker (z.B. CEA)
Alkohol Erhöhung der Leberenzyme, Verminderung von Folsäure
Morphine Erhöhung von Amylase, Lipase, GOT, GPT, AP, Bilirubin, Gastrin, Prolaktin
Cannabis Erhöhung von Natrium, Kalium, Harnstoff, Chlorid, Insulin
Verminderung von Kreatinin, Glukose, Harnsäure
Mehrtägiges Fasten Verminderung von Glukose
Erhöhung von Natrium, Kalium, Bilirubin
Tagesrhythmik siehe Tabelle
starke körperliche Belastung Leistungssport, lange Märsche: Anstieg von CK, GOT, Bilirubin, Harnstoff, Harnsäure, anorg. Phosphat, Glukose, Albumin, Calcium
Stauzeit Veränderung bei Verlängerung auf 3 Minuten von Albumin (-2%), Bilirubin (+8%), Cholesterin (+5%), Kreatinin (-9%), Eisen (+7%), Glukose (-9%), GGT (-10%), Kalium (-5%), Lipase (+5%), Protein (+5%)

 

Die eindeutige Kennzeichnung aller entnommenen Proben und der dazugehörigen Anforderungsscheine ist zur fehlerfreien Identitätssicherung erforderlich. Jedes Probengefäß muss mit Vor- und Nachname und möglichst Geburtsdatum des Patienten gekennzeichnet sein.

Für immunhämatologische Bestimmungen wie die Bestimmung der Blutgruppe und dem Antikörpersuchtest schreibt die Hämotherapierichtlinie eine eigens für diese Untersuchung entnommene Probe (möglichst EDTA-Blut, 9,0 ml) vor. Ausnahmen gelten aufgrund der schwierigeren Blutabnahme für Kinder. Zudem muß das Probenröhrchen immer mit Namen, Vornamen und Geburtsdatum beschriftet sein. Zusätzlich können diese Daten als Barcode angebracht werden. Entnahmedatum und abnehmende Person müssen angegeben werden. Der anfordernde Arzt muß auf dem Untersuchungsauftrag eindeutig (Name, Unterschrift) ausgewiesen sein. Er ist für die Identität der Blutprobe verantwortlich.  

Bestimmte Medikamente wie hochdosiertes  i.v. IgG, therapeutische Antikörper und hochdosierte Penicilline können die blutgruppenserologischen Untersuchungen beeinflussen und müssen dem Labor mitgeteilt werden.

Bei Stimulationstesten oder Tagesprofilen ist zusätzlich Uhrzeit der Entnahme auf dem Probengefäß und dem Anforderungsschein erforderlich.

Je nach Fragestellung werden vom Labor die spezielle Anforderungsscheine zur Verfügung gestellt. Hier sollte neben den Angaben zur  Symptomatik, der Diagnose, Medikation und relevanten Fragestellungen auch Datum und Uhrzeit der Probenentnahme dokumentiert werden. Dieses ist für die Beurteilung der Probenqualität und der medizinischen Beurteilung der Ergebnisse bedeutsam. Zu den Einsenderangaben gehört auch Name und Unterschrift des einsendenden Arztes, ggf. die Unterschrift der die Probe entnehmenden Person.

Folgende Analysen sind wegen geringer Stabilität nicht nachforderbar:

ACTH, Adrenalin/Noradrenalin, Alkohol/Ethanol, Ammoniak, CH50, Gerinnungsfaktoren, Glukagon, Homocystein (Serum), Laktat, Malondialdehyd, M2PK, NSE, PCR (HBV/HIV/HBV u.a.), Renin, IGF-1 (Somatomedin C), IGF-BP3, Vitamin A, B1, B6, C, E

Zeitspanne, in denen eine Nachforderung möglich ist:

Zeitspanne Analyt
nur am Einsendetag Quick, PTT, Antithrombin, Diff-BB, Kalium, BSG, D-Dimer, Retikulozyten
bis 24 Stunden BB, Malaria, Immunstatus, Elektrolyte (außer Kalium), Troponin, C-Peptid, Calcitonin
bis 48 Stunden HLA B27, Östradiol, Folsäure, Vitamin B12, Insulin, Parathormon
bis 3 Tage Glukose (NaF), HbA1c, fPSA, tPSA, ß-HCG
bis 4 Tage LDH, Cortisol, Homozystein (Spezialröhrchen), Vitamin D, TG-Ak, Procalcitonin
bis 5 Tage CA 125, CA 15-3, Progesteron
bis 6 Tage NT-Pro-BNP, TRAK
bis 7 Tage CT-Pro-Vasopression (Copeptin), GOT, GPT, GGT, fT3, fT4, Ferritin, DHEA-S, TPO-Ak, Digitoxin, Testosteron, Prolactin, FSH, LH, AFP, CEA, CA19-9

 

Die Messunsicherheit beschreibt die Streuung von Messergebnissen. In jedem Abschnitt der Analyse bis zur abschließenden Messung treten Abweichungen vom wahren Wert auf. Wir ergreifen kontinuierlich Maßnahmen und führen regelmäßig Kontrollen durch, um Abweichungen und Schwankungen zu minimieren. Auf Anfrage stellen wir Ihnen gern weitere Informationen zur Messunsicherheit einzelner Laboruntersuchungen zur Verfügung.

Die Annahme und Bearbeitung der Untersuchungsproben ist von der Einhaltung verschiedener Grundbedingungen/Kriterien abhängig. Die für die einzelnen Untersuchungsparameter und Probenmaterialien geltenden Kriterien und Bedingungen sind im Leistungsverzeichnis zusammengestellt. Werden diese Kriterien nicht eingehalten, so kann unter Umständen die Probe nicht angenommen und bearbeitet werden.

Kriterien für die Nichtannahme von Proben:

  • Fehlende Identifizierung:
    • Probe ist nicht eindeutig gekennzeichnet (Name, Vorname, Geb.-Datum / Barcode)
    • Kennzeichnung von Probe und Anforderungsschein stimmen nicht überein
  • Falsches Material
    • das eingesandte Probenmaterial kann für die angeforderte Untersuchung nicht verwendet werden
  • Probenmaterial / Anforderungsbeleg durch Beschädigung unbrauchbar
    • das eingesandte Probenmaterial kann für die angeforderte Untersuchung nicht verwendet werden
    • Röhrchen zerbrochen oder ausgelaufen (Material nicht mehr verwendbar)
    • Anforderungsbeleg durch ausgelaufenes Probenmaterial unbrauchbar gemacht
  • Probenqualität:
    • nach optischer Prüfung entspricht die Probenqualität nicht den geforderten Eigenschaften