Ab 1. Juli im EBM: Labordiagnostik zur gezielten Verordnung von Antibiotika

Hintergrund

Um der Ausbreitung resistenter und multiresistenter Bakterien und Pilze u.a. aufgrund falscher Indikation, ungeeigneter Präparate, Dosierung und Therapiedauer entgegenzuwirken, reagiert der erweiterte Bewertungsausschuss der KBV auf die 2015 initiierte "Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2020" des Bundesministeriums für Gesundheit mit einer Anpassung des EBM zum 01. Juli 2018 (Beschluss vom 14. März 2018).

Durch Einsatz moderner Labordiagnostik soll die gezielte Verordnung von Antibiotika gefördert werden.

Inhalt

Eine Laboruntersuchung soll immer dann veranlasst werden, wenn aufgrund klinischer Kriterien die Indikation für oder gegen eine Antibiotikatherapie nicht sicher gestellt werden kann oder die Symptomatik nach vorangegangener Therapie fortbesteht.

Durch Angabe der Ausnahmekennziffer 32004 wird der Wirtschaftlichkeits-bonus nicht belastet. Diese Kennziffer ist auch anzusetzen, wenn sich nach Einsatz von Diagnostik zur gezielten Antibiotikaverordnung keine Therapieindikation ergeben sollte.

Die Kennziffer beinhaltet folgende Untersuchungen:

  • Identifikation und Resistenztestung nach den Normen der EUCAST (European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing)
  • Abrechenbarkeit der Differenzierung auch mittels moderner Methoden wie dem MALDI-TOF
  • phänotypischer Nachweis von Resistenzmechanismen (z.B. Carbapenemase oder ESBL-Bildung, Methicillinresistenz)
  • Procalcitonin (PCT) als gegenüber dem CRP sensitiverer und spezifischerer Entzündungsmarker für bakterielle Atemwegsinfektionen

Unberührt hiervon gilt weiterhin die Ausnahmekennziffer 32006 für Erreger, die der gesetzlichen Meldepflicht gemäß §6 und § 7 IfSG unterliegen.

Finanzierung

Die Vergütung der Leistungen nach den Gebührenordnungspositionen 32459, 32774und 32775 erfolgt zunächst bis 01. Juli 2021 außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung