3. Probenentnahme

Blutentnahme unter Standardbedingungen

Jede Blutentnahme bedingt eine Verletzung von Blutgefäßen (Arterien, Venen, Kapillaren). Es darf nur einwandfreies und steriles Material eingesetzt werden. Für die Blutentnahme stehen entsprechende Einmalartikel zur Verfügung. Für die Punktion sollten nicht zu feinlumige Kanülen verwendet werden. Die venöse Blutentnahme sollte an geeigneter Stelle im Bereich der Ellenbeuge, des Unterarmes oder des Handrückens erfolgen. Die bestehenden Einflussfaktoren sind zu berücksichtigen.

Optimale Vorgehensweise

  • Standardblutentnahme möglichst morgens zwischen 08.00 Uhr und 09.00 Uhr nach einer Nüchternperiode von ca. 12 Stunden.
  • Umgebungstemperatur ca. +18°C bis +30°C einhalten, der Patient sollte mindestens 10 Minuten sitzen oder liegen
  • Möglichst keine Entnahme aus einem bereits liegenden Verweilkatheter. Wenn keine andere Möglichkeit besteht, sollte etwa das 10fache des Totvolumens des Katheters vorab entnommen werden.
  • Staubinde etwa eine Handbreit herzwärts der Punktionsstelle anlegen, Staudruck zwischen 50 und 100 mm Hg (Puls bleibt fühlbar), Stauzeit ca. 1 Minute, KEIN Faustschluss
  • Auswahl der Punktionsstelle und 30 sec. Hautdesinfektion mit zugelassenen Substanzen
  • Punktion in Verlaufsrichtung der ausgewählten Vene unter leichter Spannung der Haut entgegen der Stichrichtung (Schliffrichtung der Kanüle nach oben zeigend)
  • nach erfolgreicher Punktion Stauung lösen und Blutentnahmen nach folgender Reihenfolge:
    1. Blutkulturen (Einwirkzeit des Desinfektionsmittels mind. 1 min.)
    2. Nativblut (Serum)
    3. Citratblut (Gerinnungsuntersuchungen)
    4. EDTA- / Heparinblut
    5. Fluoridblut
  • nach erfolgloser Punktion Stauung sofort lösen, erneuter Versuch möglichst am anderen Arm oder notfalls handwärts der Punktionsstelle
  • Punktionsstelle nach Entfernen der Kanüle ausreichend lange (ca. 5 Minuten) mit einem Tupfer unter ausreichendem Druck verschließen
  • alle Blutröhrchen mit Zusatz unmittelbar nach der Entnahme mehrmals (ca. 8x) überkopf mischen (nicht schütteln)

Einflussfaktoren und Störfaktoren

Der Begriff Einflussgröße bezieht sich auf den Patienten. Einflussgrößen verursachen Veränderungen in vivo und sind unabhängig vom Analyseverfahren. Viele sind nicht beeinflussbar. Hierzu gehören Geschlecht, Rasse, Lebensalter, Gravidität, Meereshöhe und circadiane oder saisonale Schwankungen. Die Kenntnis dieser Faktoren ist für eine gute Labordiagnostik mit Angabe der richtigen Referenzwerte wichtig. Beeinflussbar durch den Arzt (mit unterschiedlichem Erfolg) sind Einflüsse wie psychischer Stress, körperliche Belastung, Körperlage, Rauchen und Drogen.


Störfaktoren führen in vitro nach Entnahme des Untersuchungsmaterials zu einem Messergebnis, das nicht der in vivo-Konzentration des Analyten entspricht. Störfaktoren sind meist vermeidbar. Sehr häufig wird die falsche Probenart gewählt (z. B. Plasma statt Serum). Oder es stören Antikoagulanzien, Verunreinigungen, Infusionen, Hämolyse und Lipämie die Analytik. Bei Aufbewahrung und Transport sollten auch stets Gerinnungsvorgänge, Temperatureinflüsse, Glykolyse und die Haltbarkeit der Analyte im Material beachtet werden.

 

Hier sind eine Reihe bekannter Einflussfaktoren auf Ergebnisse von Blutentnahmen zusammengestellt. Sie sollten vor der Blutentnahme beachtet werden.

Einflussfaktor Einfluss
Rauchen Anstieg der Leukozyten, einiger Enzymwerte und einiger Tumormarker (z.B. CEA)
Alkohol Erhöhung der Leberenzyme, Verminderung von Folsäure
Morphine Erhöhung von Amylase, Lipase, GOT, GPT, AP, Bilirubin, Gastrin, Prolaktin
Cannabis Erhöhung von Natrium, Kalium, Harnstoff, Chlorid, Insulin
Verminderung von Kreatinin, Glukose, Harnsäure
Mehrtägiges Fasten Verminderung von Glukose
Erhöhung von Natrium, Kalium, Bilirubin
Tagesrhythmik siehe Tabelle
starke körperliche Belastung Leistungssport, lange Märsche: Anstieg von CK, GOT, Bilirubin, Harnstoff, Harnsäure, anorg. Phosphat, Glukose, Albumin, Calcium
Stauzeit Veränderung bei Verlängerung auf 3 Minuten von Albumin (-2%), Bilirubin (+8%), Cholesterin (+5%), Kreatinin (-9%), Eisen (+7%), Glukose (-9%), GGT (-10%), Kalium (-5%), Lipase (+5%), Protein (+5%)

Laboruntersuchungen mit tagesrhythmischen Schwankungen

Viele Laboruntersuchungen zeigen im Tagesverlauf typische Schwankungen. Wir haben für Sie hier eine Auswahl zusammengestellt

Maximum Parameter Abweichung (%)
morgens ACTH + 200
  Renin + 140
  Noradrenalin + 120
  Prolaktin + 100
  Aldosteron + 80
  Cortisol + 50
  Hämoglobin + 20
  Leukozyten + 20
  Bilirubin + 20
mittags Eisen + 100
  Eosinophile + 30
  Kalium + 15
abends STH + 400
  Kreatinin + 100
  Myoglobin + 70
  Harnstoff + 50
  TSH + 50

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