Das Antibiogramm

Das Antibiogramm ist keine Handlungsanweisung, sondern zeigt die Wirksamkeit des Antibiotikums für die nachgewiesenen und für das Krankheitsbild in der Regel typischen Infektionserreger an. Die Indikation für die Gabe eines Antibiotikums ist streng zu stellen und die Therapie individuell nach Alter, Begleiterkrankungen, Allergien, Schwangerschaft, Vortherapie, Komedikation, Nieren- und Leberfunktionen auszurichten.

Leitlinien z.B. der AWMF oder der Ratgeber Antibiotikatherapie des NLGA geben hierzu Empfehlungen.

Bis zum Vorliegen des Antibiogramms, erfolgt die Therapie kalkuliert (empirisch) anhand der Erregerwahrscheinlichkeit und der regionalen Resistenzsituation. Für Niedersachsen finden Sie die Resistenzrate der häufigsten bakteriellen Infektionserreger in der Datenbank ARMIN des NLGA.

Die Resistenztestung erfolgt nach den europäischen Empfehlungen der EUCAST in Verbindung mit den nationalen Ergänzungen der NAK mit der MHK-Breakpointmethode oder in Ausnahmefällen mit dem Agardiffusionstest.

Abhängig vom Ergebnis der Resistenztestung und basierend auf einer definierten Antibiotikumdosierung erfolgt die Einordnung des Mikroorganismus in folgende drei Kategorien (verbindlich ab 01.01.2019):

(S) Sensibel bei Standarddosierung

  • Ein Mikroorganismus wird als sensibel kategorisiert, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit eines therapeutischen Erfolges bei Verwendung einer Standarddosierung und -Applikation zu erwarten ist.


(I) Sensibel bei erhöhter (increased) Exposition

  • Ein Mikroorganismus wird als sensibel bei erhöhter Exposition kategorisiert, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit eines therapeutischen Erfolges bei erhöhter Exposition* durch Verwendung eines angepassten Dosierungsregimes oder die Konzentration am Infektionsort zu erwarten ist.

(R) Resistent

  • Ein Mikroorganismus wird als resistent kategorisiert, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit des Therapieversagens auch bei erhöhter Exposition* zu erwarten ist.

*Exposition ist eine Funktion aus Applikationsart, Dosis, Dosierungsintervalls, Infusionsdauer und der Verteilung, Metabolismus und Ausscheidung, die die Wirkung des Antiinfektivums auf den Infektionserreger am Infektionsort beeinflusst.

In bestimmten Situationen ist eine Bestimmung und Angabe der Minimalen Hemmkonzentration (MHK) sinnvoll (z.B. bei Endokarditis, Verdacht auf Resistenz gegen Vancomycin/Teicoplanin bei Staphylokokken und Enterokokken, Verdacht auf verminderte Penicillin-Empfindlichkeit bei Pneumokokken).