Das neue „I“ im Antibiogramm

Ab dem 15. Juli 2019 gilt für das "I" auf unseren mikrobiologischen Befunden die neue Definition "sensibel bei erhöhter (increased) Exposition". Hiermit folgen wir der Zielsetzung des European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing (EUCAST) und des Nationalen Antibiotika-Sensitivitäts-Komitees (NAK), durch eine eindeutige Definition die Therapiemöglichkeiten zu erwei-tern und den Einsatz unterdosierter Antibiotika zu verhindern.

Bislang wurde unter "intermediär" ein Empfindlichkeitsbereich mit einem unsicheren Therapieerfolg verstan-den, der sowohl eine technisch bedingte Unsicherheitszone (area of technical uncertainty = ATU) bei der Resistenzbestimmung im Labor als auch eine Unsicherheit in der erwarteten Wirksamkeit am Infektionsort einschloss. Diese Uneindeutigkeit konnte im klinischen Alltag allerdings dazu führen, dass bei "intermediär" auf als "S" klassifizierte aber weniger gut geeignete Antibiotika (z.B. Antibiotika mit höherer Rate unerwünschter Nebenwirkungen, Breitspektrumantibiotika oder Reserveantibiotika) zurückgegriffen wurde, obwohl bei erhöh-ter Exposition gleich gute Therapierfolge erzielt werden können, wie mit Standarddosierungen bei als "S" eingestuften Keimen. Eine erhöhte Exposition kann durch eine erhöhte Dosis, eine prolongierte oder konti-nuierliche Infusion, eine Änderung der Applikationsart oder durch natürliche Anreicherungseffekte (z.B. in den Harnwegen, Verdauungstrakt) erreicht werden.

Die neue SIR-Klassifikation gilt für Dosierungstabelle der EUCAST/NAK.

Die Dosisangaben gelten für Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahren (DGPI) ohne therapiemodifizierende Faktoren. Die aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften bleiben weiterhin gültig. Die technisch bedingte Unsicherheitszone (ATU) ist für schwierig zu bewertende Keim-/Antibiotikakombina-tionen ausschließlich für das mikrobiologische Labor definiert. In der Regel erfolgt eine Bewertung als "R". Bei geringen therapeutischen Optionen (z.B. Multiresistenz) kann für diese Isolate die Minimale Hemm-konzentration (MHK) bestimmt werden. Die Änderungen bei der Definition des "I" im SIR-Systems wirken sich nicht nur auf die Therapie, sondern auch auf die MRGN-Klassifikation (KRINKO) und epidemiologische Auswertungen (z.B. Resistenzstatistiken) aus, indem "I" und "S" als sensibel bewertet wird. Diese Regelung gilt auch für Carbapenem-unempfindliche Entero-bacterien- und Acinetobacter-Isolate, solange keine Carbapenemasebildung ursächlich ist.

Bitte berücksichtigen Sie, dass es in den Resistenzstatistiken im zeitlichen Verlauf oder im Vergleich zu den Befunden aus anderen Laboren zu unterschiedlichen Bewertungen des gleichen Isolats kommen kann.