Thrombophilie-Screening

Ausgehend von einem thromboembolischen Ereignis besteht nach aktuellen Empfehlungen für unterschiedliche Altersgruppen eine Indikation zu Untersuchung auf Vorhandensein von Thrombophiliefaktoren. Der nachfolgende Abbildung gibt einen Algorithmus einer rationellen Thrombophiliediagnostik wieder.

Eine Untersuchung asymptomatischer Patienten kommt in Betracht bei positiver Familienanamnese (gehäufte thromboembolische Komplikationen bei Verwandten ersten Grades) und erhöhtem Risiko für eine Thrombose (chirurgische Eingriffe, eine absehbare Immobilisation , erstmaliger Einnahme von Ovulationshemmern, eine Hormonbehandlung oder eine Schwangerschaft).

Aus: A Willeke, F Gerdsen, RM Bauersachs, E Lindhoff-Last. Rationelle Thrombophiliediagnostik Deutsches Ärzteblatt 2002; 99: A2111-A2118

Beim erweiterten Screening sollten die abzuklärenden Thrombophilie-Ursachen im Sinne einer Stufendiagnostik angefordert werden. Basis für die Entscheidung welche Parameter in welchen Stufen (Schritten) bestimmt werden, sollte die zu erwartende Prävalenz der Thrombophilie-Ursache beachtet werden.

In einer ersten diagnostischen Stufe sollte eine APC-Resistenz (Faktor V-Leiden; G1691A) und eine Mutation im nicht kodierenden Teil des Gens für Prothrombin (G20210A) ausgeschlossen werden. Einen homozygoten Faktor V-Leiden findet sich in etwa einem fünftel der Hochrisikopatienten, eine Prothrombinmutation in ca. 5-8 Prozent. Beide molekulargenetische Parameter können aus dem gleichen Untersuchungsmaterial bestimmt werden. In beiden Fällen handelt es sich um angeborene Störungen, so dass die molekulargenetische Bestimmung nur einmal im Leben erfolgen muss.

Sollten sich in der ersten Stufen keine Ursache für eine erhöhtes Thromboserisiko finden, müssen in der zweiten Stufe seltenere Ursachen abgeklärt werden. Einen Protein C-Mangel findet man in ca. 3 %, Antithrombin- bzw. Protein S-Mangel in weniger als 1 % der Thrombosepatienten. Eine persistierende Erhöhung der Faktor VIII-Aktivität (> 150 %) findet sich bei 25 % der Thrombosepatienten und es findet sich ein deutlich erhöhtes Thromboserisiko. Ein genetischer Einfluss wird vermutet, ist aber noch nicht gesichert. Die Faktor VIII-Aktivität ist nach einer akuten Thrombose 1-2 Monate temporär fast immer erhöht und muss alters- und geschlechtsspezifisch beurteilt werden. Protein C und S sind beides Proteine, die Vitamin K-abhängig synthetisiert werden und sollten daher unter Therapie mit Kumarinen (z.B. Markumar®) nicht bestimmt werden.
Alle Parameter der zweiten Stufe sollten vor Festlegung einer Diagnose mindestens 2-3 mal pathologisch nachgewiesen sein, da diese durch zahlreiche biologische Einflussfaktoren temporär verändert sein können.

Neben den angeborenen Zuständen, die mit einem Thrombophilie-Risiko behaftet sind, sollten auch erworbene Ursachen für Thrombosen in Betracht gezogen werden. Ein anderweitig nicht erklärbare Verlängerung der partiellen Thromboplastinzeit (PTT) weist auf das Vorliegen von Lupusantikoagulanzien / Anti-Cardiolipin-Antikörper hin. Auch sind Aborte diagnostisch wegweisend für eine Antiphospholipid-Syndrom.

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