7. Differentialdiagnostik Demenz

In der Differentialdiagnostik der Demenz spielen psychometrische Testverfahren und das MRT, CCT sowie PET bei den bildgebenden Verfahren eine große Rolle. Die Liquordiagnostik liefert besonders bei den folgenden Erkrankungen richtungsweisende Befunde:

Morbus Alzheimer (Alzheimer-Demenz)

Die sichere Diagnose des M. Alzheimer kann letztlich nur histopathologisch geklärt werden. Die beiden Hauptkomponenten der pathologischen Neurofibrillenbündel und senilen Plaques sind eine hyperphosphorylierte Form des Tau-Proteins sowie das ß-Amyloid1-42.

Die kombinierte Bestimmung beider Proteine verbessert die Diagnostik der Alzheimer-Demenz. Die nachfolgende Tabelle stellt die Ergebnisse aus einer europäischen Multi-Center-Studie dar (siehe Lit. 5). Zusätzlich hat sich nach einer Multicenter-Studie (siehe Lit. 10) die individuelle Berechnung eines Cut off-Wertes für ß-Amyloid1-42. nach der Formel

Cut off = 240 + 1,18 x Wert für Tau-Protein

bewährt. Eine Erhöhung von Tau-Protein und eine Verminderung des  unter den ermittelten Cut off-Wert können mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine Alzheimer-Demenz sprechen; unauffällige Befunde haben eine negativen prädiktiven Wert (NPV) von über 90 %.

  Cut-off-Wert:
Kontrollen von Gesunden vs Alzheimer-Demenz
Cut-off-Wert:
Neurologische Erkrankungen
vs Alzheimer-Demenz
Cut-off-Wert:
Non-Alzheimer-Demenz vs Alzheimer-Demenz
ß-Amyloid1-42 643 pg/ml 551 pg/ml 556 pg/ml
Tau-Protein 252 pg/ml 293 pg/ml 239 pg/ml
Die Cut-off-Werte erlauben für die Alzheimer-Diagnostik folgende Angaben      
Sensitivität 81 % 81 % 81 %
Spezifität 92 % 87 % 41 %

Neben den Liquorproteinen lassen sich aus dem Gebiet der Molekulargenetik Verfahren zur Ermittlung des indivuellen Risikos (Prädisposition) sowie zur Klärung der seltenen familiären Fälle von Alzheimer-Demenz anwenden.

Der Genpolymorphismus für das Apolipoprotein E (Genort: langer Arm des Chromosom 19; kodominante Allele ε2, ε3, ε4, häufigster Typ in Europa: ε2ε3). Ca. 2 % bis 3 % der Bevölkerung sind homozygote Apo e4-Träger. Die Penetranz der Alzheimer-Erkrankung in dieser Gruppe beträgt etwa 90 %. Das Vorhandensein des Allels ε4 führt zu einer statistischen Erhöhung des Risikos für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz. Es besteht zudem eine inverse Korrelation zwischen der Apo ε4-Allelzahl und der Konzentration von ß-Amyloid1-42 im Liquor.

1995 wurde auf Chromosom 14 (langer Arm) das Gen Presenlin 1 (PS1) entdeckt. Mutationen in diesem Gen wurden im Bezug zu Patienten mit der Alzheimer-Demenz gefunden. Unter den präsenilen Fällen der Alzheimer-Demenz weisen ca. 6 % Mutationen im PS1-Gen auf, dabei 9 % bei familiärer Alzheimer-Demenz, bis 18 % bei late-onset und bis 70 % bei early-onset (autosomal-dominanter) Alzheimer-Demenz.

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Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung

Die Abgrenzung zwischen der Alzheimer-Demenz und CJD kann auch über die Liquoranalytik erfolgen. Die folgende Konstellation spricht für eine CJD (Sensitivität und Spezifität 90 % - 95 %):

  • hTau-Protein > 1400 pg/ml UND ß-Amyloid1-42 < 600 pg/ml
  • Protein 14-3-3 im Westernblot positiv

Zu beachten ist, dass das Ergebnis für Protein 14-3-3 bei entzündlichem Liquor (hohe Zellzahl, Blut/Liquor-Schrankenstörung, intrathekale IgG-Synthese) für die DD CJD nicht verwertbar ist. Eine Verlaufskontrolle nach Ausheilung der Entzündung wird bei Vorliegen einer CJD zu dem unveränderten Nachweis von Protein 14-3-3 führen. (Abnahme, Lagerung und Transport wie hTau-Protein, s. S. 18).

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Weitere Demenz-Formen

Hier sind bisher keine eindeutigen Liquorbefunde beschrieben.

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