4. Nachweis intrathekaler Antikörper gegen Erreger

ZNS-Infektionen lassen sich nach Beginn der humoralen Immunantwort auch über den Nachweis einer intrathekalen Antikörper-Synthese gegen spezifische Antigene des Erregers diagnostizieren. Hierzu werden Liquor und Serum in verschiedenen Verdünnungen im Test (meist ELISA) eingesetzt. Dabei werden beide Proben in einem Testlauf untersucht. Der ermittelte Antikörperquotient im Liquor/Serum-Paar wird dann bezogen auf den aktuellen IgG-Quotienten aus der Untersuchung der Blut/Liquor-Schranke. Das Ergebnis wird als errerger-spezifischer IgG-Antikörper-Index (AI) bezeichnet. Der Referenzbereich liegt für alle IgG-Antikörper bei 0,5 - 1,5 (2,0 - 4,0 bei Titerverfahren). Der AI beschreibt also das Verhältnis zweier Antikörperkonzentrationen aus dem Liquor und dem Serum und ist dabei unabhängig von der Höhe der jeweiligen Konzentration. Daher lässt sich aus der Höhe des AI kein sicherer Rückschluss auf die Schwere der Erkrankung ziehen.

Die Untersuchung des Liquor/Serum-Paares auf erregerspezifische Antikörper hat sich für die folgenden Erreger bewährt: HSV, VZV, Masernvirus, Rötelnvirus, Mumpsvirus, FSME-Virus, Cytomegalievirus, HIV, Coxsackievirus, Toxoplasmose, Lues, Borrelien (ggf. inkl. IgM-AI), Epstein-Barr-Virus.

Grundsätzlich ist die AI-Bestimmung bei allen Erregern möglich, die eine ZNS-Infektion verursachen können. In der Diagnostik ist besonders der Zeitpunkt der ersten Punktion von großer Bedeutung. In aller Regel können intrathekale Antikörper erst ab Mitte der zweiten Erkrankungswoche nachgewiesen werden. Nach Ausheilung einer Infektion können intrathekale Antikörper bzw. Immunglobuline über viele Monate bzw. Jahr nachweisbar sein. Der Behandlungserfolg wird dann über die Normalisierung des Zellbildes und des Albuminquotienten gesichert.