10. Typische Befundkonstellationen (nach Lit. 14):

Obere Grafik: Bewertung der Positionen (Punkte):
1
– Normaler Liquor-Proteinbefund
2 – Blut-Liquor-Schrankenfunktionsstörung
3 – 2 kombiniert mit intrathekaler Ig-Synthese
4 – Intrathekale Ig-Synthese
5 – Nicht plausibler Befund (Verwechslung? Liquor und Serum nicht tagesgleich abgenommen? technisch?)

Mittlere und untere Grafik:
Die beiden Pfeile geben die Bewertungskriterien an:
1 – Schrankenfunktion: Je weiter rechts der Punkt ist (Zunahme des Albuminquotienten), desto größer ist die Störung der Schrankenfunktion
2 – Intrathekale Synthese: Je höher der Punkt ist (Zunahme des Ig-Quotienten), desto stärker ist der Anteil des intrathekal gebildeten Immunglobulins. Die ausgezogene Linie markiert die Grenzlinie für den Befund „intrathekale Synthese“ (Punkt muss oberhalb liegen). Die gestrichelten Linien markieren den prozentualen Anteil (intrathekale Fraktion = IF) des Ig. Im unteren Beispiel beträgt die IF für IgM 40%. Der errechnete Wert steht auch auf dem Ausdruck für den Patienten.

Beispiel einer Meningokokkenmeningitis:

Punkt – Tag 1 der Aufnahme
Zellzahl: 7250/ml l

Quadrat – im Verlauf Tag 3, 6 und 13 nach der Aufnahme
Zellzahlen: 2730/ml, 213/ml und 2/ml

Antibiose vom ersten Tag der Aufnahme an, komplikationsloser Verlauf

Kennzeichen der bakteriellen Meningitis:
-sehr starke Erhöhung der Zellzahl
-meist granulozytäre Pleozytose
-sehr hoher Albuminquotient
-manchmal intrathekale IgA-Synthese

Beispiele einer Neurosyphilis:

Quadrat – Akute Phase: parenchymatöser Typ
erhöhte Zellzahl, intrathekale IgG-Synthese (IF = 75%),
dominante intrathekale IgM-Synthese (IF = 85%)

Punkt – Akute Phase: meningovaskulärer Typ
erhöhte Zellzahl, intrathekale IgG-Synthese

Kennzeichen der Neurosyphilis:
-häufig unauffälliger Albuminquotient
-FEHLEN einer intrathekalen IgA-Synthese

Kennzeichen der Neurotuberkulose:
-Erhöhung der Zellzahl
-meist lymphozytäre Pleozytose
-hoher Albuminquotient intrathekale IgA-Synthese (!)

Beispiel einer HSV-Enzephalitis:

Quadrat – Tag 1 der Aufnahme (erste diagnostische Punktion)
Zellzahl: 57/ml erhöhter Albuminquotient, kein intrathekales IgA, IgM, IgA
Oligoklonales IgG negativ
HSV-IgG-AI 0,7 VZV-IgG-AI 1,0
HSV-PCR POSITIV

Punkt – diagnostische Punktionen im Verlauf (gemäß Pfeilverlauf)
Tag 7 nach Aufnahme:
Zellzahl: 280/ml ansteigender Albuminquotient, Anstieg von IgG-, IgA- und IgM-Quotient (kein intrathekaler Nachweis)
Oligoklonales IgG POSITIV HSV-IgG-AI 10,5 VZV-IgG-AI 1,6
HSV-PCR POSITIV

Tag 30 nach Aufnahme:
Zellzahl: 30/ml rückläufger Albuminquotient Intrathekaler Nachweis von IgA, IgM, IgG (IF > 0%)
Oligoklonales IgG POSITIV
HSV-IgG-AI 97 VZV-IgG-AI 65 (Oligoklonale B-Zell-Stimulation!)
HSV-PCR POSITIV

Beispiel einer Neuroborreliose:

Punkt – Zellzahl: 336/µl

Antibiose vom ersten Tag der Aufnahme an, komplikationsloser Verlauf

Kennzeichen der Neuroborreliose:
-starke Erhöhung der Zellzahl
-meist lymphozytäre Pleozytose
-hoher Albuminquotient
-intrathekale IgA-, IgG- und IgM-Synthese (Drei-Klassen-Reaktion) und IgM-Dominanz (höchster Wert bei IF für IgM) mit einer diagnostischen Sensitivität von 70% und Spezifität von 96% im Zusammenhang mit Zellbild und Albuminquotient
-Bei sehr früher Punktion kann die humorale Immunantwort (Nachweis der Drei-Klassen-Reaktion mit IgM-Dominanz) NOCH fehlen, meist ist nur die Zellzahl leicht erhöht

Erhöhter Borrelien-AI und humorale Immunantwort bleiben bis zu mehreren Jahren nachweisbar nach Ausheilen der Neuroborreliose

Beispiele einer Neuroborreliose im Verlauf:

Quadrat – Woche 3 nach Zeckenbiss
Zellzahl: 132/ml
Drei-Klassen-Reaktion mit IgM-Dominanz (IF = 80%)
Borrelien-IgG-AI 42

Punkt – im Verlauf Woche 4, 6, 10, 16, 83 nach Zeckenbiss (Pfeilverlauf)
Zellzahlen: 100/ml, 39/ml, 90/ml, 15/ml und 3/ml
Nachweis von intrathekalem IgM bis zur Woche 83!

Beispiel einer HIV-Enzephalitis:

Quadrat – Chronische HIV-Enzephalitis mit Toxoplasmose des ZNS
Zellzahl: 140/ml,
Erhöhter Albuminquotient
Drei-Klassen-Reaktion (IF > 0% für IgM, IgG, IgA)
Toxoplasmose-IgG-AI 9,2
HIV-AI 5,7 CMV-AI 1,0

Punkt – Frühe Phase der HIV-Enzephalitis
Zellzahl: 22/ml
Normaler Liquor-Proteinbefund
Oligoklonales IgG negativ
HIV-AI 1,0
Toxoplasmose-IgG-AI 0,9

Beispiel einer Multiplen Sklerose (MS):

Punkt – Zellzahl: 3/ml, Zwei-Klassen-Reaktion mit IgG-Dominanz (IF = 73%) gegenüber intrathekaler IgM-Synthese (IF = 56%)
Oligoklonales IgG POSITIV
Masern-IgG-AI 9,2  Röteln-IgG-AI 12,3
VZV-IgG-AI 8,1  HSV-IgG-AI 1,0

Kennzeichen der Multiple Sklerose (MS):
-Hohe Zellzahl (in 3% > 35/ml), hoher Albuminquotient (1% > 12) machen die Diagnose MS unplausibel

-Intrathekales IgA in 9%, intrathekales IgM in 19%, bei MS NIE ohne GLEICHZEITIGE intrathekale IgG-Synthese (IF > 0%)!

-Nachweis einer MRZ-Reaktion (erhöhter AI für Masern-IgG bzw. Röteln-IgG und/oder VZV-IgG) in bis zu 94 % der Fälle

-MRZ-Reaktion als Hinweis auf chronisch-entzündlichen Prozess, der auch bei Autoimmunerkrankungen mit ZNS-Beteiligung und selten bei chronischer Neuroborreliose vorkommen kann, MR-, MZ- oder RZ-Reaktion kommt dagegen nur sehr selten bei anderen Erkrankungen als MS vor

-Fehlender Nachweis eines oligoklonalen IgG spricht mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen MS, Nachweis von oligoklonalem IgG weniger spezifisch als MRZ-Reaktion, da sie auch bei akuten ZNS-Erkrankungen vorkommt

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