In der Differentialdiagnostik der Demenz spielen psychometrische Testverfahren und das MRT, CCT sowie PET bei den bildgebenden Verfahren eine große Rolle. Die Liquordiagnostik liefert besonders bei den folgenden Erkrankungen richtungsweisende Befunde:
Die sichere Diagnose des M. Alzheimer kann letztlich nur histopathologisch geklärt werden. Die beiden Hauptkomponenten der pathologischen Neurofibrillenbündel und senilen Plaques sind eine hyperphosphorylierte Form des Tau-Proteins sowie das ß-Amyloid1-42.
Die kombinierte Bestimmung beider Proteine verbessert die Diagnostik der Alzheimer-Demenz. Die nachfolgende Tabelle stellt die Ergebnisse aus einer europäischen Multi-Center-Studie dar (siehe Lit. 5). Zusätzlich hat sich nach einer Multicenter-Studie (siehe Lit. 10) die individuelle Berechnung eines Cut off-Wertes für ß-Amyloid1-42. nach der Formel
Cut off = 240 + 1,18 x Wert für Tau-Protein
bewährt. Eine Erhöhung von Tau-Protein und eine Verminderung des unter den ermittelten Cut off-Wert können mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine Alzheimer-Demenz sprechen; unauffällige Befunde haben eine negativen prädiktiven Wert (NPV) von über 90 %.
| Cut-off-Wert: Kontrollen von Gesunden vs Alzheimer-Demenz |
Cut-off-Wert: Neurologische Erkrankungen vs Alzheimer-Demenz |
Cut-off-Wert: Non-Alzheimer-Demenz vs Alzheimer-Demenz |
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| ß-Amyloid1-42 | 643 pg/ml | 551 pg/ml | 556 pg/ml |
| Tau-Protein | 252 pg/ml | 293 pg/ml | 239 pg/ml |
| Die Cut-off-Werte erlauben für die Alzheimer-Diagnostik folgende Angaben | |||
| Sensitivität | 81 % | 81 % | 81 % |
| Spezifität | 92 % | 87 % | 41 % |
Neben den Liquorproteinen lassen sich aus dem Gebiet der Molekulargenetik Verfahren zur Ermittlung des indivuellen Risikos (Prädisposition) sowie zur Klärung der seltenen familiären Fälle von Alzheimer-Demenz anwenden.
Der Genpolymorphismus für das Apolipoprotein E (Genort: langer Arm des Chromosom 19; kodominante Allele ε2, ε3, ε4, häufigster Typ in Europa: ε2ε3). Ca. 2 % bis 3 % der Bevölkerung sind homozygote Apo e4-Träger. Die Penetranz der Alzheimer-Erkrankung in dieser Gruppe beträgt etwa 90 %. Das Vorhandensein des Allels ε4 führt zu einer statistischen Erhöhung des Risikos für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz. Es besteht zudem eine inverse Korrelation zwischen der Apo ε4-Allelzahl und der Konzentration von ß-Amyloid1-42 im Liquor.
1995 wurde auf Chromosom 14 (langer Arm) das Gen Presenlin 1 (PS1) entdeckt. Mutationen in diesem Gen wurden im Bezug zu Patienten mit der Alzheimer-Demenz gefunden. Unter den präsenilen Fällen der Alzheimer-Demenz weisen ca. 6 % Mutationen im PS1-Gen auf, dabei 9 % bei familiärer Alzheimer-Demenz, bis 18 % bei late-onset und bis 70 % bei early-onset (autosomal-dominanter) Alzheimer-Demenz.
Die Abgrenzung zwischen der Alzheimer-Demenz und CJD kann auch über die Liquoranalytik erfolgen. Die folgende Konstellation spricht für eine CJD (Sensitivität und Spezifität 90 % - 95 %):
Zu beachten ist, dass das Ergebnis für Protein 14-3-3 bei entzündlichem Liquor (hohe Zellzahl, Blut/Liquor-Schrankenstörung, intrathekale IgG-Synthese) für die DD CJD nicht verwertbar ist. Eine Verlaufskontrolle nach Ausheilung der Entzündung wird bei Vorliegen einer CJD zu dem unveränderten Nachweis von Protein 14-3-3 führen. (Abnahme, Lagerung und Transport wie hTau-Protein, s. S. 18).
Hier sind bisher keine eindeutigen Liquorbefunde beschrieben.